.

.

Gelbe Schule Moritzberg ist Vorreiter in Sachen Ganztagsschule

Die meisten Kinder kennen es heutzutage nicht mehr anders: Tagsüber geht es in den Kindergarten. Nur in den Grundschulen ist das noch nicht angekommen. Zwar bieten mittlerweile rund 80 Prozent der Grundschulen in Hildesheim ein Ganztagsangebot –allerdings meist auf drei Tage beschränkt.
Einen Kommentar zum Thema finden Sie hier oder auf unserer Internetseite in der Meinungs-Rubrik.
In der Gelben Schule Moritzberg ist das anders. Vor sieben Jahren ging dort der Ganztagsbetrieb an den Start. Mittlerweile ist er fünftägig. Außerdem werden über sämtliche Ferien- und Brückentage die Türen für die Kinder offen gehalten.
Kooperation zwischen Sportverein und Schule
Möglich wurde das durch die Kooperation zwischen Hildesheims größten Sportverein Eintracht und der Gelben Schule. Gemeinsam stellen beide Partner ein wöchentliches Programm mit 120 verschiedenen Angeboten von der ersten bis zur vierten Klasse auf die Beine.
Doch wie gut ist das Angebot eigentlich? Weil die Stadt das Projekt mit 200 000 Euro jährlich bezuschusst, hat der Rat festgelegt, dass die Schule einen Bericht dazu anfertigt. Doch Eintracht-Geschäftsführer Clemens Löcke und Schulrektorin Frederike Hoff-Elfers war das zu wenig. Sie haben beim Niedersächsischen Landesinstitut für Qualitätsentwicklung beantragt, durch Experten von außen geprüft zu werden. „Wir können uns doch nicht selbst benoten“, sagt Hoff-Elfers.
Externe Prüfer
Eine knappe Woche waren zwei Expertinnen in der Gelben Schule und haben sich den laufenden Betrieb angeschaut. Der Abschlussbericht bescheinigt nun schwarz auf weiß, dass dort „exzellente Arbeit geleistet wird“, fasst Löcke zufrieden zusammen. „Uns wurde bestätigt, was wir gewusst haben“, sagt er. Davon zeugen auch zahlreiche Anrufe von Lehrern anderer Schulen aus Niedersachsen, die wissen wollen, wie man so etwas am besten organisiert.
Und für die läuft die Zeit: Ab 2025 müssen alle niedersächsischen Schulen einen Ganztag anbieten. Aber ähnlich wie bei den Kitas gibt es Qualitätsunterschiede im pädagogischen Angebot. Nun gilt die Gelbe Schule auch offiziell als Vorzeigemodell im Bundesland. „Wir bieten heute schon die Schule von morgen an“, sagt Löcke stolz.
Hohe Anforderungen an Kursleiter
Die Arbeit vor Ort wird von Florian Gims als Stützpunktleiter von Eintracht und Helge Kleindienst als Pädagogischer Leiter der Schule organisiert. Schon um 7 Uhr, also eine Stunde vor Unterrichtsbeginn, können die Schüler zu einem Bewegungsangebot kommen. „Die folgen dann dem Unterricht hellwach“, weiß Hoff-Elfers. Um 16 Uhr ist offiziell Schluss. Doch es gibt auf Wunsch von berufstätigen Eltern noch eine Nachlaufzeit von 30 Minuten.
Das ist nur der Umfang des Angebotes, entscheidend aber sei die Qualität, sagt Hoff-Elfers. Bei den 120 Kursen sind drei Viertel mit irgendeiner Form von Bewegung kombiniert. „Wir ersetzen aber nicht den Schulsport“, sagt Löcke. Die Übungsleiter müssen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorweisen, Erste Hilfe können und die Übungsleiter C-Lizenz erwerben. Außerdem ist mindestens das DLRG-Rettungsschwimmer-Abzeichen erwünscht.
Mehr Männer an der Grundschule
Alle Kursleiter müssen vor Beginn ihrer Tätigkeit eine Zehn-Tages-Einführungswoche absolvieren. Im Verlauf der Woche gibt es immer wieder regelmäßige Treffen, um die Mitarbeiter auf den neuesten Stand zu bringen. „Teambildung ist uns wichtig“, sagt Löcke.
Die meisten Kursleiter sind männlich, damit werde ein Ausgleich zu dem fast überwiegend weiblichen Lehrerinnen-Kollegium geschaffen. Die Schule hat eine App eingerichtet, in der sich die Eltern über alle Änderungen informieren können. Außerdem gibt es einen festgelegten Ablauf, um die Anwesenheit der Kinder sicherzustellen.
Feste Regeln beim Essen
Und es gibt feste Verhaltensregeln, die manche Kinder zuhause nicht mehr vermittelt bekommen, sagt Hoff-Elfers und zählt auf: Gemeinsam essen, nicht laut werden, Abräumen helfen. Das hört sich selbstverständlich an. Ist es aber nicht. Wie sich ihre Kinder machen, können die Eltern am Ende der Woche auch sehen: in einem Logbuch, in dem jeweils ein Wochenrückblick festgehalten wird, mit Übungsaufgaben und Arbeits- und Sozialverhalten.
„Die Eltern sollen ihr Kind schließlich nicht an die Schule abgeben, sie sollen auch wissen, was wir mit ihren Kindern machen“, sagt die Rektorin.
Norbert Mierzowsky